Überwinterung von Igeln in menschlicher Obhut


Igel, die bei drohendem Wintereinbruch leichter als 300g oder krank sind, können nicht im Freien gelassen werden. Sie müssen in menschlicher Obhut überwintert werden. Handelt es sich um einen kranken Igel, kontaktieren Sie sofort einen Tierarzt oder eine Igelpflegestation. Er braucht medizinische Hilfe.

Pflege

Igel fressen KatzenfeuchtfutterDie Igel werden in einem Raum, der wärmer ist als 15°C, gehalten. Das Gehege sollte mind. 1.5-2 m2 gross sein. Es wird mit Zeitungspapier ausgelegt. Als Nest dient eine Kartonschachtel mit Öffnung, die mit zerrissenem Haushaltpapier gefüllt wird. Zeitungspapier und Haushaltpapier müssen täglich gewechselt werden. In den Auslauf stellt man ein Schälchen Wasser und ein Schälchen Katzenfutter (je nach Grösse der Igel 2-4 Esslöffel).
Die Gewichtszunahme muss täglich kontrolliert werden. Ideal ist eine Gewichtszunahme von 10-15 (20) g pro Tag bei Jungigeln und abgemagerten Igeln. Ausgewachsene Igel mit gutem Ernährungszustand sollten nicht weiter zunehmen!


Feuchtfutter (pro Igel):

2-3 Esslöffel (=100-150g) Katzendosenfutter
½ Teelöffel Animastrath
wenig Weizenkleie


Trockenfutter (als Ergänzung):

1 Esslöffel Igel- oder Katzentrockenfutter

Überwinterung

Haben die Igeljungen ein Gewicht von 500-600g erreicht und sind die Tiere gesund, sollen sie zur Überwinterung auf einen geschlossenen, spaltenfreien (!) Balkon oder in ein Freigehege draussen umgesiedelt werden, wo sie den Winterschlaf halten.
Diese Umplatzierung nach draussen kann auch im Dezember/Januar stattfinden; die Igel überstehen diesen Temperaturwechsel erstaunlich gut, vorausgesetzt sie erhalten draussen genügend Futter und einen gut wärme-isolierten Schlafplatz.


Als Nest dient jetzt eine Holzkiste von mindestens 30x30x30cm oder eine gelöcherte Styroporkiste (PDF 290 KB) , die ein Schlupfloch von 10x10cm enthält und mit Stroh gefüllt wird. Das Winterschlafnest (Kiste) darf nicht von der Sonne beschienen werden, sonst erwacht der Igel zu früh aus dem Winterschlaf. Am besten Winterschlafkiste auf der Nordseite des Hauses aufstellen oder künstlich beschatten.


Das Katzenfeuchtfutter (150g pro Igel) und das Trockenfutter werden unter ein Futterhäuschen gestellt, wo es vor gefrässigen Katzen sicher ist. Zum Trinken dient eine grosse Schale, die mit Wasser gefüllt wird. Solange der Igel wach ist, kontrollieren Sie gelegentlich sein Gewicht und passen die Futtermenge entsprechend an.


Rührt der Igel das angebotene Futter nicht weiter an, ist er in den Winterschlaf gefallen*. Er muss jetzt nicht mehr gefüttert werden. Als Notration kann Trockenfutter angeboten werden. Wacht der Igel zwischendurch auf, muss wieder das gewohnte Futter angeboten werden. Ein Stück WC-Papier, das quer über den Eingang geklebt wird, ist ein guter Hinweis, ob der Igel noch schläft oder das Nest schon mal verlassen hat. Etwa ab März bis Mitte April erwachen die Igel aus dem Winterschlaf. Die Auswilderungsphase beginnt.

*Futterentzug

Macht der Igel bei Temperaturen unter 4 Grad oder Schnee und einem Körpergewicht von mehr als 600g keine Anstalten, den Winterschlaf abzuhalten, muss ihm das Futter entzogen werden. Der Futterentzug findet am besten verbunden mit einem Temperatursturz statt. Das animiert den Igel, in den Winterschlaf zu gehen. Ein Futterentzug muss sicher 3-5 Tage durchgezogen werden, damit er die gewünschte Wirkung zeigt. Wasser erhält der Igel weiterhin. Der Igel hält Winterschlaf, weil er keine Nahrung mehr findet und nicht wegen der Kälte. Einige Igel gehen nicht in den Winterschlaf, wenn sie immer gefüttert werden!

Auswilderung

Nach zwei Wochen Aufenthalt im Gehege bzw. Balkon in wachem Zustand, etwa ab April, können die Igel in die Freiheit entlassen werden, falls bereits Futtertiere vorhanden sind. Dabei wird das Tor des Freigeheges geöffnet, so dass die Igel in die Freiheit spazieren können. Sind die Igel auf dem Balkon überwintert worden, zügelt man das gewohnte Futter- und Schlafhaus mit Igel in den Garten. Während zwei Wochen wird am gewohnten Ort weiterhin gefüttert. Auch das Schlafhaus soll dem Igel weiterhin zur Verfügung stehen. Auf diese Weise haben die Igel genügend Zeit, ihren neuen Lebensraum kennen zu lernen.

Checkliste für Auswilderung

Die Checkliste für Auswilderung (PDF 3.5 MB) fasst die wichtigen Punkte für eine Auswilderung nochmals zusammen.

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