Fütterung
Igel bitte nicht füttern!
Die Fütterung von frei lebenden Igeln ist gut gemeint und beinhaltet auch eine soziale Komponente. Doch der Igel ist ein Wildtier und nicht auf menschliche Kontakte angewiesen. Igel zu beobachten ist eine schöne Erfahrung, Igel mit Futter anzulocken ist aber falsch verstandene Tierliebe.
Auch der Igel ist, was er isst. Das heisst, er ist bequem und ziemlich verfressen. Darin unterscheidet er sich nicht gross vom Menschen. Stellt man ihm an drei Tagen am gleichen Ort zur gleichen Zeit Futter zur Verfügung, können Sie bereits am vierten Tag die Uhr nach seinem Erscheinen richten.
Damit der Igel – wie der Mensch auch – ein gesundes Körpergewicht einhalten kann, darf aber nicht zugefüttert werden. Auch wenn er noch so «schnusig und herzig» auf sein Futter wartet. Lassen Sie sich nicht zur Fütterung verleiten. Der Igel findet sein Futter selbst.
Aus Gesprächen im Rahmen der Telefonberatung wissen unsere Fachleute, dass unzählige Igel regelmässig gefüttert werden. Doch zum Glück sind die meisten Igelfreunde für unsere sachlichen Argumente zugänglich und lassen sich überzeugen:
- Igel finden in der Regel auch in Hitzeperioden genügend Futter. Sie müssen dann für die Futtersuche mehr Aufwand betreiben, das bereitet ihnen aber kaum Probleme. Sinnvoll in dieser Situation ist es aber, dem Igel eine Trinkschale mit täglich frischem Wasser hinzustellen.
- Im Spätherbst und im Winter gefütterte Igel gehen eventuell nicht in den Winterschlaf.
- Unsachgemäss eingerichtete Futterstellen ziehen Füchse, Katzen, Ratten und Mäuse an.
- Verschmutzte Futterstellen sind ein Risiko für Krankheitsübertragungen von Igel zu Igel.
- Wenn Sie etwas Gutes für die Igel tun wollen, schaffen Sie am besten eine igelfreundliche Umgebung bei Ihnen und in der Nachbarschaft.
- Wenn ein Jungigel im Spätherbst das winterschlafnotwendige Gewicht von 500-600g nicht aufweist.
- Wenn im Spätwinter ein Igel zu früh aus dem Winterschlaf erwacht und der Boden noch gefroren ist.
- Wenn der Appetit eines auffälligen Igels beurteilt werden muss (siehe "Beurteilung des Igels").
Zufütterung in Ausnahmesituationen
Wenn ein Jungigel im Spätherbst (bei drohendem Wintereinbruch) das für den Winterschlaf notwendige Gewicht von 500-600g nicht aufweist
Handelt es sich um einen untergewichtigen, ansonsten aber gesunden Igel, können Sie ihm am Fundort Hilfe anbieten. Stellen Sie ihm Katzennassfutter und Wasser hin. Keine Milch: siehe Häufige Fragen!
Vergessen Sie nicht, dass auch Katzen und Füchse an diesem Futter interessiert sind, und stellen es an einen Ort, wo es für diese möglichst unerreichbar ist.
Dazu eignet sich eine niedrige Holz- oder Plastikkiste (z.B. Rako-Kiste 600x400x120mm aus dem Baumarkt), in die Sie ein Eingangsloch von 10x10 cm schneiden. Stellen Sie die Kiste mit der offenen Seite auf die Erde. Beschweren Sie die Futterkiste mit Steinen oder einer vollen Giesskanne.
Zusätzlich können Sie einen Backstein so ins Haus legen, dass dieser einen Gang bildet, der hinten aber noch einen Durchgang von 10 cm freilässt.

Um den Fuchs vom Igelfutter fernzuhalten, braucht es eine Futterkiste mit einer rechtwinkligen Abzweigung, wie auf dem Bild beschrieben (diese Kiste wurde aus einer alten Weinkiste gebastelt; sie wird umgekehrt auf die Erde gestellt und mit Steinen beschwert).

Da Igel oft dort koten, wo sie fressen, wird die nach unten offene Kiste auf gewachsener Erde (z.B. Wiese) von Zeit zu Zeit verschoben.
Verwenden Sie eine Futterkiste mit Boden, muss die Futterkiste regelmässig gereinigt werden!
Zusätzlich sollten Sie dem Igel ein Ersatznest herrichten. Dazu eignet sich eine Holzkiste von mindestens 30x30x30cm oder eine gelöcherte Styroporkiste (PDF 290 KB), in die Sie ein Loch von 10x10 cm schneiden und die Sie dicht mit Stroh füllen. Das Ersatznest stellen Sie neben dem Futterhäuschen an einem ruhigen Ort im Garten auf. Der Igel ist so ausreichend mit Unterschlupfmöglichkeit und Nahrung versorgt.
Idealerweise werden Futter- und Schlafhaus sehr nahe beieinander aufgestellt. Den Igel stellen sie bei der ersten Fütterung direkt ins Futterhaus. Wenn er nach dem Fressen rauskommt, sperren Sie ihn für 5-15 Minuten ins neue Schlafhaus.
Bitte wägen Sie den Igel von Zeit zu Zeit: Nach Erreichen des winterschlafnotwendigen Gewichtes von 500-600 g sollte der Igel bei kalter Witterung in den Winterschlaf fallen. Geschieht dies nicht, muss das Futter entzogen werden. Mehr dazu erfahren Sie im Kapitel "Überwinterung" und in der Vereinszeitung Igel & Umwelt 2009/2 (PDF 0.9 MB).
Wenn im Spätwinter ein Igel zu früh aus dem Winterschlaf erwacht und der Boden noch gefroren ist
In dieser Situation können Sie dem Igel Katzennassfutter in einem Futterhaus anbieten, aber nur solange, bis sich das Wetter bessert und wieder Futtertiere (Würmer, Käfer, Schnecken) vorhanden sind.
Welches und wieviel Futter
Für die Zufütterung von Igeln eignet sich Katzennassfutter. Stellen Sie das Futter nach Einbruch der Dämmerung hin. Geben Sie dem Igel niemals Milch: siehe Häufige Fragen!
Ein 500g schwerer Jungigel frisst täglich rund 150g Nassfutter, ein 800-1000g schwerer (abgemagerter erwachsener) Igel rund 170-200g Nassfutter. Diese Futtermengen sind als grobe Regel zu verstehen. Die Gewichtszunahme muss nach 2-3 Tagen mit einer Waage kontrolliert werden. Ideal ist eine durchschnittliche Gewichtszunahme von 10-20g pro Tag. Dementsprechend passen Sie die Futtermenge an.
Sollte das Körpergewicht stagnieren oder zurückgehen, steigern sie die Futtermenge bis der Igel wieder zunimmt. Frisst der Igel jedoch nicht das ganze ihm angebotene Futter und nimmt gleichzeitig ab, ist das ein Alarmsignal. Kontaktieren Sie in diesem Fall eine Igelstation.

