Häufige Fragen

Schneckenkörner mit dem Wirkstoff «Metaldehyd»?

Wie schwer muss ein Jungigel sein, um den Winterschlaf zu überleben?

Wann halten Igel Winterschlaf?

Igel auf Schnee begegnet?

Igel im Winterschlaf gestört: Lebt er noch?

Was passiert bei einem Igel, wenn er aus dem Winterschlaf erwacht?

Igel bedient sich im Winter am Futternapf der Katze: Sollte er nicht im Winterschlaf sein?

Soll ich den winzigen Igel, den ich tagsüber auf einem Herbst-Spaziergang gefunden habe, mit nach Hause nehmen?

Fressen Igel auch Obst und Früchte?

Fressen Igel Gemüse?

Darf man Igel füttern?

Ist Milch als Igelfutter geeignet?

Sind Igelstacheln stärker als ein Autopneu?

Warum sterben so viele Igel auf der Strasse?

Sind Igel Waldtiere?

Wie alt werden Igel?

Dürfen wir einen fremden Igel in unserm Garten aussetzen?

Kann man Igel umsiedeln?

Vertreiben Katzenabwehrgeräte die Igel?

Wecken seismische Messungen die Igel aus dem Winterschlaf auf?

Afrikanischer Weissbauchigel als Haustier?

Kann man einen Igel kaufen?

Innenparasiten des Igels auf Haustiere übertragbar?

Krankheiten des Igels für andere Tiere oder Mensch gefährlich?

 


 

Soll ich Schneckenkörner mit der Aufschrift «Mit Igel- und Hundevergällungszusatz» und dem Wirkstoff «Metaldehyd» kaufen?

Nein! Von Schneckenkörnern auf der Basis von Metaldehyd ist dringend abzuraten!
Eine Untersuchung hat zwar ergeben, dass die Giftigkeit für Igel vermutlich gering ist. Aber auf viele andere Nützlinge im Garten wie Spitzmäuse, Vögel und Laufkäfer können diese Schneckenkörner toxisch wirken. Die Tierärztin des Igelzentrums hat selbst schon Hunde erlebt mit schweren Vergiftungserscheinungen nach Aufnahme dieser Schneckenkörner. Und der «Vergällungszusatz» hält wohl Kleinkinder kaum davon ab, die blauen Körner zu probieren!

Seit einigen Jahren sind Schneckenkörner mit dem Wirkstoff Eisenphosphat auf dem Markt. Sämtliche Inhaltsstoffe sind für Mensch und Säugetiere (also auch für Hunde und Igel) laut dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (PDF 44 KB) unbedenklich. Auch Vögel, Regenwürmer und Laufkäfer werden geschont. Seit 2008 ist dieses Anti-Schneckenmittel als Hilfsstoff für den biologischen Landbau in der Schweiz zugelassen. Die Handelsbezeichnungen dieser neuen Produkte lauten: «Adalan-Schneckenkorn», «Coop Oekoplan Adalan Schneckenkorn», «Ferramol Schneckenkorn». Diese Produkte enthalten 1% EisenIII-Orthophosphat, welches von Bodenmikroorganismen vollständig in Eisen und Phosphat umgewandelt wird.
Trotzdem, auch ein biologisches Gift ist und bleibt ein Gift. Es nützt also nur kurzfristig gegen Schneckenfrass. Nachhaltig gegen Schnecken wirkt nur eine dem Standort angepasste Gartenbewirtschaftung. Sollten Sie in einem total verregneten Frühsommer doch mal Schneckenkörner kaufen, bevorzugen Sie bitte ein Produkt mit dem umweltschonenden Wirkstoff «Eisenphosphat»!

 

Wie schwer muss ein Jungigel sein, um den Winterschlaf zu überleben?

In der Regel genügt ein Gewicht von 500-550g, damit der Jungigel den Winterschlaf überleben kann. Er hat dann genug Fettreserven, von denen er während des Winterschlafes zehren kann.

 

Wann halten Igel Winterschlaf?

Igel halten Winterschlaf von November bis März. Weibchen fallen etwa einen Monat nach den Männchen in den Winterschlaf, da sie nach der kräftezehrenden Jungenaufzucht mehr Zeit brauchen, um ihre Fettreserven aufzubauen. Die Dauer des Winterschlafes ist aber bei beiden Geschlechtern etwa gleich lang. Weibchen erwachen später im Frühling als Männchen.

 

Igel auf Schnee begegnet?

Dafür gibt es verschiedene Erklärungen: weitere Informationen unter "Winter".

 

Bei einer spätherbstlichen Gartenent­rümpelungsaktion haben wir einen Igel in seinem Nest gestört: Er bewegt sich nicht. Lebt er noch?

Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist der Igel bereits im Winterschlaf. Für Laien ist es aber schwierig, nur durch Beobachten festzustellen, ob er noch lebt, da sich die eingekugelten winterschlafenden Igel praktisch nicht mehr bewegen und nur noch etwa 3-4 Atemzüge pro Minute machen. (Ein toter Igel liegt allerdings meist offen, d.h. nicht eingerollt, da.)
Am besten decken Sie das Winterschlafnest wieder sorgfältig zu. Die Chancen, dass der Igel dann gar nicht erst aus dem Winterschlaf erwacht, stehen gut.
Ist es hingegen unmöglich, dass der Igel in seinem Nest verbleibt (z.B. weil Sie das Gartenhaus abbrechen wollen, unter dem er schläft), müssten Sie ihn vorsichtig an einen neuen, vorher vorbereiteten Schlafplatz (z.B. gelöcherte Styroporkiste (PDF 290 KB)) zügeln. Zur Wahl des neuen Platzes: er sollte keine direkte Sonneneinstrahlung haben, aber auch vor Regen und Feuchtigkeit geschützt sein. Als Nistmaterial verwenden Sie vorzugsweise Stroh und/oder trockenes Laub.

 

Was passiert bei einem Igel, wenn er aus dem Winterschlaf erwacht?

Sobald im Frühjahr die Futtertiere des Igels wieder verfügbar sind, muss der Igel aus dem Winterschlaf erwachen. Da die Energiereserven für den Winterschlaf begrenzt sind, wäre es kontraproduktiv, gefährlich und unter Umständen sogar tödlich, länger als nötig im Winterschlaf zu verharren.
Wie der Aufwachvorgang im Detail ausgelöst wird, ist noch nicht bekannt. Eine Rolle spielt aber sicher die Umgebungstemperatur. Sobald diese über einen längeren Zeitraum einen gewissen Minimalwert erreicht, wird auf Grund hormoneller Signale das braune Fettgewebe des Igels abgebaut. Der dadurch resultierende Energiegewinn wird für die Erhöhung der Körpertemperatur verwendet.
In der zweiten Phase des Aufwachvorgangs lässt ein einsetzendes Muskelzittern die Körpertemperatur weiter steigen. Kopf- und Brustbereich werden schneller erwärmt als der restliche Körper. Das ergibt Sinn, denn hier befinden sich Organe (Hirn, Herz, Lunge), die unmittelbar (über-)lebensnotwendig sind.
Bis der ganze Igel seine normale „Betriebstemperatur“ von 36°C erreicht hat - und damit wieder voll aktiv ist - dauert es mehrere Stunden.

 

Bei uns bedient sich ein Igel mitten im Dezember am Futternapf unserer Katze: Eigentlich sollte der stachelige Geselle doch im Winterschlaf sein?


Da der Winterschlaf dazu dient, die futterarme Jahreszeit zu überbrücken, kann es vorkommen, dass ein Igel wegen dauernd zur Verfügung stehendem Futter nicht in den Winterschlaf geht. Allerdings ist das eher ungewöhnlich, da neben fehlendem Futterangebot für die Auslösung des Winterschlafes auch andere Faktoren wie tiefe Aussentemperaturen und kurze Tageslängen eine Rolle spielen. Zudem sagt eine innere Uhr dem Tier, dass es Zeit ist, Winterschlaf zu halten.
Beobachten Sie Ihren Igel genau, nehmen Sie ihn zur Abklärung eventuell auch für eine Nacht ins Haus: Frisst er wirklich mit Appetit oder ist er nur am «schnäuggen»? Vielleicht ist das Tier nämlich krank oder verletzt und braucht medizinische Hilfe. Wenden Sie sich in diesem Fall an einen Tierarzt oder an eine Igelstation. Vielleicht handelt es sich auch um einen gesunden Jungigel, der aber das nötige Körpergewicht für den Winterschlaf (ca. 500g) noch nicht erreicht hat. In diesem Fall können Sie dem Igel eine eigene «igelkonforme» Futterstelle einrichten.
Und noch ein Tipp: füttern Sie Ihre Katze in Zukunft im Haus. So können Sie vermeiden, dass sich andere Katzen oder Wildtiere als ungebetene Gäste am Futternapf bedienen. So schützen Sie Ihre Katze auch vor Krankheiten, die von solchen «Mitessern» ausgehen könnten.
Und falls der Stachelkerl tatsächlich nur sehr verfressen, sonst aber gesund und genug schwer ist, wird er sich ohne Katzenfutter automatisch in den Winterschlaf verziehen. Eine von Ihnen bereit gestellte, mit Stroh gefüllte Holzkiste garantiert ihm dabei einen sicheren Schlafplatz.
Zusätzliche Informationen finden Sie im Kapitel «Igel gefunden».

 

Soll ich den winzigen Igel, den ich tagsüber auf einem Herbst-Spaziergang gefunden habe, mit nach Hause nehmen?

Bevor Sie irgendwas unternehmen, muss Ihnen folgendes bewusst sein: Wenn Sie den Igel mitnehmen, übernehmen Sie auch die volle Verantwortung für das Tier. Das bedeutet, Sie müssen bereit sein, sich in den nächsten Tagen bis Wochen um das Tier zu kümmern. Beratungstellen und Igelstationen werden Ihnen dabei gerne mit fachlichem Rat zur Seite stehen. Dass Sie "Ihren" Igel in einer Igelstation abgeben können, ist aber meist mehr als ungewiss, da diese Einrichtungen im Herbst hoffnungslos überfüllt sind. Für die kleine Igel-Krankenstation des Igelzentrums gilt zudem: hier können nur Tiere aufgenommen werden, die eine medizinische Versorgung benötigen.

Dann sollten Sie zuerst einmal objektiv ermitteln, ob der Igel wirklich noch so „winzig“ ist. Oft ist es so, dass Igel gewichtsmässig unterschätzt werden. Besorgen Sie sich also eine Kartonschachtel oder einen anderen Transportbehälter und setzen den Igel zuhause auf eine Briefwaage. Damit ein Jung-Igel im November oder vor dem Wintereinbruch den Winterschlaf antreten kann, sollte sein Körpergewicht nicht unter 500g liegen (siehe Beurteilung des Igels im Herbst).

  • Ist der Jung-Igel 500g oder schwerer, braucht er keine menschliche Hilfe, es sei denn er ist krank oder verletzt. Wenn Sie den Verdacht auf Verletzungen haben, zeigen Sie das Tier einem Tierarzt. Ein guter Indikator für seinen sonstigen Gesundheitszustand ist der Appetit. Nehmen Sie den Igel für eine (!) Nacht ins Haus und testen Sie seinen Appetit mit Katzenfutter (siehe Erste Massnahmen). Frisst er gut, bringen Sie ihn am nächsten Abend unverzüglich an die Fundstelle zurück.
  • Liegt das Körpergewicht des Igels zwischen 300g und 500g, kann man ihm draussen eine Futterstelle einrichten (siehe Zufütterung in Ausnahmesituationen). Da der Igel ortstreu ist und sich in seinem Gebiet hervorragend auskennt, sollte sich diese, wenn immer möglich, am Fundort befinden! Wenn es Ihnen nicht möglich ist, während ca. 7-10 Tagen abends jeweils eine Schale Katzenfutter und Wasser dort zu deponieren und es auch niemand anders für Sie erledigen kann, können Sie dem Igel bis zum Erreichen eines Körpergewichtes von 500-600g in Ihrem Garten ein temporäres Gehege einrichten (siehe Freigehege). Sobald er das notwendige Gewicht erreicht hat, bringen Sie ihn an den Fundort zurück. Berücksichtigen Sie, dass der Igel jetzt zwar genügend Gewichtsreserven für den Winterschlaf hat, aber unter Umständen kein Nistmaterial mehr findet. Stellen Sie ihm deshalb am Fundort an einer geschützten, wenig einsehbaren Stelle eine mit Stroh gefüllte Kiste als Winterschlafnest zur Verfügung (siehe Überwinterung).
  • Ist der Igel unter 300g schwer, sollte er zuerst bei Raumtemperatur auf ca. 400g Körpergewicht aufgefüttert werden, anschliessend wird er in ein Aussengehege gezügelt, wo er eventuell auch gleich den Winterschlaf abhalten kann, um dann im Frühjahr sukzessive ausgewildert zu werden (siehe Überwinterung).

Alle diese Angaben haben nur Gültigkeit, wenn der Igel gesund ist. Ist er krank oder verletzt, hat er nur eine Überlebenschance, wenn er zuerst bei einem Tierarzt oder in einer Igelstation medizinisch versorgt wird (siehe nützliche Telefonnummern).

Und denken Sie bitte daran: Igel sind Wildtiere und somit hervorragend ans Überleben in freier Natur angepasst. Ein Igel sollte deshalb nie den ganzen Winter über im Haus gehalten werden! Das „Einsperren“ ist ein grosser Stress für das Tier und nur einigermassen erträglich, wenn es die grösste Zeit davon winterschlafend verbringen kann. Den Winter über im Haus gehaltene Tiere verfetten desweiteren oft stark und können diverse weitere gesundheitliche Schäden erleiden.

 

Fressen Igel auch Obst und Früchte?

Igel gehören zur Familie der Insektenfresser und ernähren sich hauptsächlich von Käfern, Tausendfüsslern, Larven, Heuschrecken, Regenwürmern und Schnecken. Wenn sie Gelegenheit haben, verschmähen sie auch Frösche, Aas und Jungvögel nicht. Obst gehört nicht zum Speisezettel der Igel. Gelegentlich kommt es aber vor, dass sie an reifem Obst und Beeren herumknabbern.
Igel können aber pflanzliche Produkte nicht verwerten: Ein Igel, der in Gefangenschaft nur mit Bananen und Nüssen gefüttert wird, verhungert buchstäblich!

 

Fressen Igel Gemüse?

Nein.

 

Darf man Igel füttern?

Igel sind Wildtiere. Sie kommen normalerweise ohne unsere Hilfe zurecht. Zufütterung ist daher nur in Ausnahmefällen nötig, beispielseise im Herbst, wenn viele Jungigel mit ungenügendem Winterschlafgewicht unterwegs sind.

 

Ist Milch als Igelfutter geeignet?

Säugetiere sind naturgemäss darauf angewiesen (Mutter-)Milch verdauen zu können. Da sich Säugetiere aber i.d.R. nur in ihrer ersten Lebensphase (eben der Säugezeit) von Milch ernähren, geht die Fähigkeit der Milchverdauung bei vielen mit zunehmendem Alter wieder verloren. Ausschlaggebend ist dabei die Verdauung des Milchzuckers, der Laktose. Die Laktose als Ganzes kann nicht über die Darmwand aufgenommen werden, dazu muss sie zuerst in ihre Bestandteile Glukose und Galaktose aufgespalten werden. Das Enzym, das diesen Vorgang steuert, ist die Laktase. Bei vielen Jungtieren verringert sich die Laktase-Aktivität im Dünndarm, sobald sie von der Mutter entwöhnt sind. Wird diesen Tieren später Milch (meistens ist es Kuhmilch) oder Milchprodukte angeboten, sind sie nicht mehr in der Lage, die Laktose aufzuspalten. Die unverdaute Laktose verbleibt im Darm. Es kommt zum sogenannten osmotischen Durchfall (die Laktose im Darm entzieht dem Körper Flüssigkeit, die ins Darmlumen abgegeben wird und dort den Kot verflüssigt). Die Laktose im Darm wird zudem durch Bakterien abgebaut, dabei entstehen Gase, es kommt zu Koliken und Durchfall.
Kuhmilch weist, verglichen mit der Muttermilch von anderen Tierarten, ohnehin einen deutlich höheren Laktosegehalt auf. Und da sie sich zudem in Fett- und Eiweissgehalt stark von der Milch anderer Spezies unterscheiden kann, ist Kuhmilch z.B. auch für mutterlose Hunde- oder Katzenbabys keine gute Option.
Beim Igel kommt dazu, dass die natürliche Igelmilch ohnehin einen ausserordentlich tiefen Laktosegehalt aufweist (tiefer als bei diversen anderen Spezies), d.h. die Igelsaugbabys müssen sich kaum mit der Verdauung von Milchzucker „herumschlagen“. Es erstaunt deshalb nicht, dass nicht nur bei Adult-Igeln, sondern auch bei Igelsäuglingen keine Laktase-Aktivität im Verdauungstrakt nachgewiesen werden kann.

Fazit
: Kuhmilch ist für Igel jeder Lebensphase zur Ernährung gänzlich ungeeignet! Mutterlose Igelsäuglinge können mit Hundewelpen-Ersatzmilch aufgezogen werden. Wobei nicht vergessen werden sollte, dass auch Hundemilch einen höheren Milchzuckergehalt aufweist als Igelmilch (und auch sonst in der Zusammensetzung abweicht). Es ist deshalb vorteilhaft, die Igelbabys so schnell wie möglich von der Welpenmilch auf Festfutter umzustellen.

PS: Spezialfall Mensch (stark vereinfacht)
Dass viele (auch erwachsene) Menschen (Kuh-)Milch problemlos verdauen können, hat mit der genetischen Entwicklung unserer Vorfahren zu tun. Auch beim Menschen war es ursprünglich wohl so, dass die Laktase nur im Babyalter in genügender Menge vorhanden war. Das Gen, das verantwortlich ist für die Bildung/Aktivität der Laktase, hat sich in bestimmten Gebieten der Erde im Laufe der menschlichen Entwicklung aber so verändert, dass auch im Erwachsenenalter noch genügend Laktase-Tätigkeit im Darm stattfand und in der Folge davon der Milchzucker zeitlebens verdaut werden konnte. Sinnigerweise sind diese Gebiete v.a. in Europa und Nordamerika zu finden, d.h. dort, wo während der Evolution schon immer Milchvieh gehalten wurde und die Menschen dementsprechend Milch tranken. Die Genveränderung war ein selektiver Vorteil: Menschen mit verändertem Gen konnten sich von Milch ernähren, was ernährungstechnisch sehr günstig (häufig vermutlich sogar wesentlich fürs Überleben) war. In anderen Regionen unseres Planeten (wie z.B. Südamerika) kannte man keine Milchviehwirtschaft, das sind Gebiete, wo es heute mehr Menschen mit Laktose-Intoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit) gibt.

 

Sind Igelstacheln stärker als ein Autopneu?

Igelstacheln durchstechen einen Autonpneu nicht! Ein verantwortungsvoller Autofahrer fährt defensiv vorausschauend. Nur so kann er rechtzeitig bremsen, wenn ein Tier oder ein Mensch plötzlich auf die Fahrbahn tritt

 

Warum sterben so viele Igel auf der Strasse?

Igel leben heute zum grossen Teil im Siedlungsraum, der dicht von Strassen durchzogen ist. Das bedeutet Gefahr. Vor allem Männchen, die während der Paarungszeit weite Strecken zurücklegen um Weibchen aufzusuchen, werden häufig überfahren. Das müsste nicht sein. Igel zeigen nämlich auf der Strasse nicht das für sie typische Einrollverhalten sondern flüchten vor den Autos. Bei angemessenem Tempo der Autofahrer sollte es für Igel möglich sein, die Strasse erfolgreich zu überqueren.

 

Sind Igel Waldtiere?

Igel leben heute zum grössten Teil im Siedlungsraum. Selbst Grünanlagen innerhalb von Städten werden von Igeln bewohnt. Die heutigen Wirtschaftswälder bieten in ihrer Uniformität den Igeln kein Zuhause mehr. Igel sind fast vollständig aus den Wäldern, wie auch aus dem intensiv bewirtschafteten Landwirtschaftsraum, verschwunden.

 

Wie alt werden Igel?

Das durchschnittliche Alter der Igel beträgt etwa 3-4 Jahre. Viele Igel erreichen jedoch nicht einmal ihren ersten Geburtstag, da die Todesrate während des ersten Winterschlafes bei Jungigeln sehr hoch ist (ca. 60%).

 

Dürfen wir einen fremden Igel in unserm Garten aussetzen?

Igel dürfen nicht umgesiedelt werden. Sie sind ortstreu und eng mit ihrem Lebensraum verbunden. In Ausnahmefällen werden Igel über ein Freigehege an einem fremden Ort ausgewildert.

 

Kann man Igel umsiedeln?

Igel sind sehr ortstreu und eng mit ihrem Lebensraum verbunden. Sie sollten daher nur in Notfällen umgesiedelt werden.

 

Vertreiben Katzenabwehrgeräte die Igel?

Katzen und Igel nehmen Töne in einem fast identischen Hörbereich wahr. Wenn Katzen durch die Ultraschalltöne vertrieben werden, ist anzunehmen, dass Igel ähnlich reagieren.
Gemäss Beobachtungen eines Katzenabwehrgeräte-Besitzers reagierten die Igel auf die Töne mit Zusammenzucken und längerem Innehalten. Einige Wochen nach der Installation von zwei Geräten im Garten waren die Igel weg.
Das heisst: Katzen- und andere Tierabwehrgeräte mit Ultraschall könnten durchaus Igel nachhaltig stören und ihrem Lebensraum beschneiden. Gesicherte Studien zum Thema fehlen bislang; eine Semesterarbeit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wädenswil (PDF 3.4 MB) und ein Bericht in Igel & Umwelt 2009/3 (PDF 1.0 MB) bringen wenigstens etwas Licht ins Dunkle.

 

Wecken seismische Messungen die Igel aus dem Winterschlaf auf?

Igelfreunde sind besorgt wegen der seismischen Messungen in der Ostschweiz im Grossraum St. Gallen. Dort finden derzeit Messungen (mit starken Erdvibrationen) für ein Erdwärmeprojekt statt. Laut der Organisation Pro Igel bestehe die Gefahr, dass die Igel aus dem Winterschlaf geweckt werden und dadurch viel Energie verlieren – und in der Folge sterben könnten.
(Schweiz aktuell 25.1.10)

Filmbeitrag von Schweiz aktuell vom 25.1.10

Kommentar vom Igelzentrum Zürich: Es kann tatsächlich nicht ausgeschlossen werden, dass Igel wegen Vibrationen von seismischen Messungen aus dem Winterschlaf erwachen. Allerdings gibt es da eine Reihe von Fragen, deren Beantwortung für eine seriöse Abschätzung der Belastung auf Igel wichtig ist:

  • In welcher Distanz befinden sich potentielle Igelwinterschlafplätze? Sind dort Erschütterungen (zumindest für Menschen) spürbar?
  • Dauer und Wiederholungen der Erschütterungen?
  • Gibt es beobachtete Reaktionen von anderen Wildtieren (zum Beispiel von Rotwild)?
  • Welche Erfahrungen bezüglich Auswirkungen hat die Betreiberfirma (der seismischen Untersuchung) bereits gemacht?

Wie Frau Schmitz vom Igelzentrum Kreuzlingen im Filmbericht festhält, sind Störungen im Winterschlaf vor allem für Jungtiere schlecht: Sie haben wenig Fettreserven.
Zudem fehlt Jungtieren oft auch das Wissen, wo sich Ersatz-Winterschlafplätze befinden.

Praxistipp des Igelzentrums Zürich: Wenn immer Sie im Winter einem wachen Igel begegnen, muss zuerst beurteilt werden, ob es sich um einen gesunden oder um einen kranken/verletzten Igel handelt. Einem gesunden Igel kann auch vor Ort durch Laien geholfen werden, ein kranker/verletzter Igel gehört in die Hände von Fachleuten!

 

Afrikanischer Weissbauchigel als Haustier?

Der afrikanische Weissbauchigel ist als Haustier gänzlich ungeeignet; darin sind sich die Fachleute einig.
In Freiheit an ein breites Futterangebot gewöhnt, wird ihm eine Ernährung mit Katzen- oder Igeltrockenfutter nie gerecht. An den Folgen der Mangelernährung sterben viele dieser als Haustiere gehaltener Igel.
Igel sind nachaktiv und als Haustiere zum Beobachten und Spielen ungeeignet, da sie den Tag verschlafen.
Sie haben einen grossen Aktionsradius und rennen im Gehege manchmal so lange auf und ab, bis sie blutige Füsse bekommen.
Die aus Profitgier betriebene Inzucht führt zu einer Art Multiple Sklerose («Wobbly Hedgehog Syndrome»), die sich in fortschreitender Lähmung ausdrückt und nach 6-15 qualvollen Monaten mit dem Tod endet.
Gefangen gehaltene Weissbauchigel sind gemäss der Einschätzung von Experten mittlerweile derart überzüchtet, dass sie in freier Wildbahn keine Überlebenschancen mehr hätten.
Aus der Telefonberatung wissen die Fachleute vom Igelzentrum, wie oft aus dem vermeintlich herzigen Haustier aus Afrika ein Drama entsteht. Darum Hände weg von afrikanischen Weissbauchigeln als Haustier!

 

Kann man einen Igel kaufen?

Einheimische Igel sind Wildtiere und dürfen nicht gefüttert, eingefangen oder verkauft werden. Igel sind keine Haustiere.

 

Beim Igel gibt es zahlreiche Innenparasiten. Können diese auf meine Haustiere übertragen werden und bei ihnen Krankheiten auslösen?

Es ist richtig, dass diverse dieser Igel-Parasiten in gleicher oder verwandter Form auch bei Haustieren vorkommen können. Etwas genauer betrachtet, ist das Risiko, das dabei von Igeln ausgeht, aber nicht gross. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:

  • Die Durchfall verursachenden Kokzidien, die neben dem Igel auch bei vielen Haustierarten vorkommen, sind für jede Tierart spezifisch, das heisst ein Kaninchen erkrankt in der Regel nicht an Igel-Kokzidien, ein Kalb wiederum nicht an den Kokzidien des Hundes und so weiter.
  • Lungenwürmer der Gattung Crenosoma sind zum Beispiel auch mal beim Hund möglich, aber es handelt sich dabei um Infektionen mit Crenosoma vulpis, dem Lungenwurm des Fuchses; Crenosoma striatum hingegen, der Lungenwurm des Igels, ist sehr wirtsspezifisch und auf den Igel beschränkt
  • Ein Befall mit dem Lungenhaarwurm (Capillaria aerophila), einem sehr häufigen Parasiten beim Igel, ist zum Beispiel bei Hund und Katze theoretisch zwar möglich, konnte bis anhin in der Schweiz bei diesen Tierarten aber nur äusserst selten nachgewiesen werden.

 

Gibt es neben den Innenparasiten andere Krankheiten, die - vom Igel ausgehend- für andere Tiere oder den Menschen gefährlich werden könnten?

Ohne unbedingt selber daran erkrankt zu sein, kann ein Igel Träger von diversen Bakterien sein. Diese Bakterien können via Kot oder Harn auch auf andere Tierarten oder den Menschen übergehen. Als Beispiele seien hier Salmonellen oder Leptospiren genannt. Weniger gefährlich, aber sehr unangenehm, sind Hautpilzinfektionen, die sich Igel-Betreuer bei ihren Schützlingen holen können. Generell gilt: wer Umgang mit Igeln hat, sollte sich an gewisse minimale Hygienestandards wie Tragen von Handschuhen, regelmässiges Händewaschen und so weiter halten.
Zeckenbefall gehört beim Igel zur Norm. Es sollte daran gedacht werden, dass diese Zecken Träger von Borrelien und / oder Encephalitis-Viren sein könnten. Vor allem kleine, noch nicht vollgesogene Zecken, die vom Igel abgefallen sind, und Zecken-Nymphen sind gefährlich, da sie sehr leicht übersehen werden. Heikel ist die Situation auch, wenn ein Igel stirbt und das einige Zeit unbemerkt bleibt: die Zecken verlassen das tote Tier und verkriechen sich in den Ritzen der Umgebung, jederzeit bereit, sich einen neuen Wirt zu suchen.

 

 

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